© Christian König, 2019

3. Infoveranstaltung zum Thema Klima: Faktenpräsentation und emotionale Diskussionen

Unsere Informationsveranstaltung am 11.10.2019

Auf unserer dritten Veranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger in Bochum Nord war der Saal des Katholischen Vereinshauses (Kalinka) mit über 200 Teilnehmenden wieder gut gefüllt.

Die Bürgerinitiative präsentierte die Fakten zum bisherigen Geschehen und den Zusammenhängen der geplanten Neubebauung und dem ausgerufenen Klimanotstand in Bochum.

Auf dem Podium stellten sich anschließend Lokalpolitiker den Fragen der Bürgerschaft. Dabei waren Henry Donner (Bezirksbürgermeister SPD), Hubert Wegener (CDU) und Martina Foltys-Banning (Die Grünen). Außerdem konnte die Initiative Heidi Hopkins für das Podium gewinnen, die als langjähriges Mitglied des Naturschutzbeirates aus ihrer Sicht Stellung bezog.

In der Diskussion zeigte sich leider, dass die Positionen der drei Parteien nur in Nuancen auseinander lagen. Unabhängig von der Faktenlage zum Bedarf und den zu erwartenden Klimaveränderungen befürworten alle Parteien die Planungen zu „Gerthe West“.

Erneut haben wir festgestellt, dass die teilnehmenden Parteien die tatsächliche Faktenlage abstreiten und uns falsche Aussagen vorwerfen. Anders lautende Zahlen, auf die sich Politik und Stadtverwaltung berufen, können uns seit sechs Monaten nicht vorgelegt werden. Auch die Einwendungen von Heidi Hopkins aus Sicht des Naturschutzbeirates wurden von den Politikern ignoriert.

Die Diskussion zwischen den Bürgern und ihren politischen Vertretern wurde teilweise sehr emotional und fast tumulthaft geführt. Es stellte sich im Verlauf der Diskussion heraus, dass die anwesenden Bürger und Bürgerinnen eine Bebauung des Gebietes strikt ablehnen. Die Vertreter der politischen Parteien reagierten zum Teil irritiert und stark emotional auf diese deutliche Ablehnung, da sie der Überzeugung sind, die Interessen der Bürgerschaft als gewählte Politiker zu vertreten. Davon konnten sie in dieser Veranstaltung allerdings niemand überzeugen und es bleibt ein großes Misstrauen auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger.

Die sachliche Auseinandersetzung mit Stadt und Politik führte bisher aus Sicht der Bürgerinitiative zu keinem wahrnehmbaren Ergebnis. Mit dem Blick auf die anstehenden Kommunalwahlen in 2020 werden wir unseren Aktivitäten und Aktionen mehr politische Intensität verleihen.

Gerd Henke und Sabine Schöning

Artikel der WAZ zur 3. Infoveranstaltung der Bürgerinitiative „Gerthe West – so nicht“ am 11.10.2019

Foto: © Christian König, 2019

Artikel der WAZ zur 3. Infoveranstaltung zum Thema Klima

Artikel der WAZ zur 3. Infoveranstaltung der Bürgerinitiative „Gerthe West – so nicht“ am 11.10.2019

WDR: Quarks: Suche nach den heißesten Orten in Bochum

Die Arbeitsgruppe Klimaforschung der Ruhr-Universität Bochum prüft, wo die heißesten Orte in Bochum sind:

WDR-Sendung Quarks vom 24.09.2019

 

Hallobo!Nord vom August 2019: Begehung der Bauflächen von „Gerthe West“

Am 29.08.2019 soll eine Begehung der geplanten Bauflächen von „Gerthe West“ stattfinden. Die Begehung wird von NRW URBAN durchgeführt. Los geht`s um 18.00h an der Kaffeebude am Gerther Markt.

https://www.ruhrtal-verlag.de/files/Archiv-hb/hallobo-003/#page=4

Faktencheck

Allgemeines
Der Rat der Stadt Bochum hat am 27.09.2018 ein Wohnbauflächenprogramm genehmigt, das auf 1,54 Mio. qm Fläche in 29 Bauprojekten über 9.000 neue Wohneinheiten für ca. 20.000 Menschen vorsieht, davon 30 % sozialer Wohnungsbau.
Die Begründung seitens der Stadt lautet: „Wir haben eine große Nachfrage nach Wohnraum.“
Das sehen wissenschaftliche Studien anders: die BertelsmannStiftung (1) ebenso wie ruhrFIS (2), das Institut des RVR, prognostizieren einen Bevölkerungsrückgang in den nächsten Jahren von jetzt 364.000 Menschen auf ca. 340.000 Menschen in 2030 für Bochum. Gleichzeit gehen sie davon aus, dass der Leerstand in Bochum auf ca. 5 % steigen wird. ruhrFIS empfiehlt dringend die Sanierung von Altbauwohnbeständen, aber keine Neubauten.
Auch die empirica Studie (3), von der Stadt Bochum in Auftrag gegeben und vom Oberbürgermeister herausgegeben, spricht von 800 neuen WE pro Jahr. Gemeint sind aber nicht 800 neugebaute WE, sondern auch hier wird eine „qualitative Zusatznachfrage“ von ca. 600 WE pro Jahr errechnet. Darunter werden zu renovierende, auszubauende oder neu zuzuschneidende WE im Altbaubestand gedacht. Und selbst die Stadt Bochum (4) sagt auf ihrer Homepage, dass aktuell und auch langfristig keine weiteren Sozialwohnungen benötigt werden.
Warum plant Bochum Neubauten in dieser Größenordnung, lässt aber ein durchgängiges Sanierungskonzept außer Acht?
Der gesamte überplante Bereich „Gerthe West“ ist bislang unbebaut. Durch die Bebauung würden Biotopverbünde, aber auch Landschaftsschutzgebiete versiegelt mit noch nicht absehbaren Folgen für die Artenvielfalt in Hiltrop und das Klima vor allem auch in Gerthe Mitte (Stadtklimaeffekt). Das Gebiet Gerthe West schließt das Gebiet der ehemalig geplanten Westumgehung mit ein. Aus ehemals 3.5 ha zu bebauender Fläche sollen nun 17,6 ha zu bebauende Fläche werden, d.h. ca. 10 ha neu zu versiegelnde Fläche. Bochum ist heute schon auf Platz 9 der am meisten versiegelten Städte bundesweit. Die damalige Gesamtbeurteilung der Umweltprüfung (2008) zur Westumgehung lautete: „Die Planung hat für fast alle Schutzgüter erhebliche nachteilige Auswirkungen. Insgesamt werden die Umweltauswirkungen aufgrund der hohen Wertigkeit für den Biotopverbund und der Freirauminanspruchnahme als erheblich eingeschätzt.“ (6)
Es sind zudem Fragen der Entwässerung und des Verkehrs dringend vorab zu klären. Am Beispiel Verkehr wird deutlich, dass die Planung in der angedachten Größenordnung nicht genehmigungsfähig sein kann. Bei geplanten 1.000 neuen WE müssen 3.500 Ein- und Ausfahrten pro Tag auf den Castroper Hellweg in die Planung einbezogen werden. Der Castroper Hellweg hat im Bereich Gerthe Mitte jetzt schon erhöhte Stickoxidwerte.
Ein weiteres Argument lautet: wir benötigen bezahlbaren Wohnraum. Die durchschnittliche Miete beträgt aktuell 6,69€ in Bochum (7), für Neubauten werden im Sozialen Wohnungsbau ab 7,50€ und im freifinanzierten Bereich ab 10€ Kaltmiete verlangt (8)
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Quellen

1 BertelsmannStiftung, http://www.wegweiser-kommune.de/
statisti/bochum+bevoelkerungsstruktur+2012-2030+tabelle
2 ruhrFIS, Siedlungsflächenbedarfsberechnung, RVR Essen, 2016, www.metropoleruhr.de
3 empirica, https://www.bochum.de/C125708500379A31/vwContentByUNID/258341641ACC86FDC12583CA004C0F90/$FILE/Handlungskonzept_Wohnen_Bochum_2018.pdf, insbes, S. 46-49!
4 Stadt Bochum, Preisgebundene Wohnungen, 30.04.18 https://m.bochum.de/C12571A3001D56CE/vwContentByKey/W2AZB9KJ730BOCMDE/$FILE/Anerkennungsfaehige_Bedarfe_Unterkunft_in_Bochum.pdf
5 Verkehrskonzept Bochum-Nord 2019, Anlage https://session.bochum.de/bi/getfile.asp?id=421620&type=do&
6 Steckbrief Umweltprüfung Einzelflächen, Flächen-Nr.: BO-43 Gemeinde: Bochum Lage: Gemarkung: Hiltrop / Gerthe, Ortsumgehung Gerthe
7 Mietspiegelboerse, https://www.wohnungsboerse.net/mietspiegel-Bochum/5178
8 LEG will 1000 neue Wohnungen bauen, https://www.waz.de/wirtschaft/wirtschaft-in-nrw/leg-will-1000-neue-wohnungen-bauen-400-davon-in-essen-id216640275.html

WE = Wohneinheiten

Stadtspiegel vom 03.03.2019 „Kohlengräberland“: Schüler fordern Denkmalschutz im Bochumer Norden