Factsheet Bodenschutz

Boden im Bereich des sogenannten Bauprojekts „Gerthe West“ in Gerthe/Hiltrop

„Der Boden erfüllt zahlreiche Funktionen. Diese Dienstleistungen sind frei Haus, sehr leistungsstark und machen den eigentlichen Wert des Bodens aus. Neben den Pflanzen und Tieren profitiert in erster Linie der Mensch davon. Sauberes Wasser und gesunde Lebensmittel sind nur mit gut funktionierenden Böden zu haben. Böden sind zwar wahre
Multitalente, wollen aber gepflegt sein.“¹

Boden als Klimastabilisator

„Boden ist neben den Weltmeeren und Wäldern ein großer Kohlenstoffspeicher. Der Humus im Boden, also der Anteil zersetzter und umgewandelter organischer Substanz, enthält Kohlenstoff, der so der Atmosphäre entzogen ist. Neben dem positiven Effekt auf das Klima hat der Boden auch einen direkten Einfluss auf die unmittelbare Umgebung.

Die im Boden gespeicherte Wärme und die von den Pflanzen gesteuerte Verdunstung des Bodenwassers beeinflussen die Lufttemperatur und Luftfeuchtigkeit vor Ort. Der Temperaturunterschied zwischen bebauten und unbebauten Bodenoberflächen ist immens. Ein bewachsener Boden sorgt über die Verdunstung für erhebliche Abkühlung. Darüber hinaus erwärmt sich ein bewachsener Boden weniger stark als eine Asphaltdecke. Der Effekt ist an warmen Sommertagen sehr schön in Parkanlagen oder im Wald spürbar.“²

Entsprechend sind in erste Linie die natürlichen Bodenfunktionen eines langfristig entwickelten Bodens klimarelevant (Wasserdurchlässigkeit und Wasserspeicherfähigkeit,
Bodenfruchtbarkeit, Lebensraum für Organismen). Schon heute, aber vor allem zukünftig können und müssen Freiflächen mit natürlicher Begrünung und Bewachsung Dürren und heiße Sommer mildern.

Das Bauprojekt „Gerthe West“ ist ein weitreichender Eingriff in derartige, klima- und somit zukunftsrelevante Böden.

Boden Regenerationsverläufe

Die Regeneration eines Bodens nach der Bebauung beträgt pro Zentimeter der Neubildung 200 bis 300 Jahre. Entsprechend zerstört der Flächenverbrauch diese Struktur, die an der bebauten Stelle nicht wiederhergestellt werden kann. Angesichts der aktuellen klimatischen
Entwicklung muss der unumkehrbarer Verlust unverbauter Landschaftsräume vermieden werden.

Das Umweltministerium NRW betont dazu: „Abgrabung und Bodenversiegelung stellen die stärksten Eingriffe in den Boden dar. Erklärtes Ziel der Landesregierung ist es daher, das Instrument des Flächenrecyclings als Zukunftsaufgabe zu sehen, um dem zunehmenden Verbrauch von Freiflächen, ganz speziell der landwirtschaftlichen Nutzflächen, entgegenzusteuern“.*3

Diese Aussage steht im eklatanten Widerspruch zum Planungsvorhaben in Gerthe/Hiltrop.

Perspektive der Landesregierung: Begrenzung der Bodenversieglung*4

Das Konzept des Umweltministeriums nennt an prominenter Stelle zur nachhaltigen Gestaltung unseres Land und unserer Städte die Reaktivierung alter und überbauter Flächen, weil sie eine zentrale Maßnahme zur Begrenzung der Bodenversieglung ist. So sollen in den
nächsten Jahren vermehrt Flächen entsiegelt und wiederbebaut oder renaturiert werden.*5

Das Umweltministerium propagiert einen vorsorgenden Bodenschutz, der insbesondere bei Planungen im Bereich schützenswerter Böden zu berücksichtigen ist. So finden sich im (unbebauten) Bereich in Gerthe und Hiltrop von Lössböden aus, die in der Weichsel-Kaltzeit entstanden sind.*6

Der Boden, welcher an dieser Stelle bebaut werden sollen, ist ein Schutzgut. Dieses ist nicht vermehrbar. Der Verlust wertvoller Acker- und Weideflächen durch Bebauung und Versiegelung ist nicht umkehrbar.

Elementar sind daher der Erhalt der natürlichen Filter-, Puffer- und Lebensraumfunktionen von landwirtschaftlich und forstlich genutzten Böden, um negative Auswirkungen auf das Grundwasser, die Flora, die Luft, das Klima und schließlich den Boden selbst zu abzuwenden.*7

„Die Vermeidung von Bodenversiegelung ist ein vorrangiges Ziel. Daher soll generell nach dem Bundes-Bodenschutzgesetz für Siedlung und Verkehr so wenig Fläche wie möglich in Anspruch genommen werden. Flächen beanspruchende Planungsvorhaben müssen auf
besonders schutzwürdigen Böden so weit wie möglich vermieden werden“*8

Das sogenannte Bauvorhaben Gerthe West wird dieser Forderung in keiner Weise gerecht.