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Leserbriefe zur Bürgerbeteiligung

Neue Leserbriefe zu Artikel der WAZ vom 10.12.2020:

Leserbrief zu

Wohnbauprojekt „Gerthe-West“ geht online

Für eine Stadt, die sich – laut Bitkom – „smarteste City im Ruhrgebiet“ nennen darf mit besonders guter Bewertung im Bereich „IT und Kommunikation“, ist diese Form der Bürgerbeteiligung ein bedauernswerter Rückfall in alte Zeiten. Ein ernstgemeinter Beteiligungsprozess geht nur im direkten Austausch mit Bürgern und Planern. Technische Formate dazu sind vorhanden.

Ulrike Boehner

Leserbrief zu „Gerthe-West“ geht online

Das war`s also leider mit der neuen Form der Bürgerbeteiligung zu „Gerthe-West“, mit der die Stadt ein beispielhaftes Format zur möglichst frühzeitigen Einbindung ihrer Bürger zu größeren Projekten starten wollte. Geplant war in der 1. Planungswerkstatt ein direkter Austausch der Bürger mit den Planungsbüros und Gutachtern zur Erstellung von Planskizzen. Diese Planskizzen sollten als Grundlage für die Planung der Planungsteams dienen.

Übrig geblieben ist nur ein gestriges Format der Bürgerbeteiligung. Die Planskizzen werden ohne Bürgerschaft erstellt. Diese darf dann Zettel kleben und online Kommentare abgeben. Das alles angeblich wegen der Corona-Pandemie. Dabei gibt es genug digitale Möglichkeiten, um die direkte Beteiligung der Bürger mit den Planungsteams durchzuführen. Findet in der Wirtschaft und den Verwaltungen täglich zig-mal statt.

Schade, Chance vertan.

Gerhard Henke

 

Demo am 14.12.2020 um 14 Uhr

Demo 14.12.20 S. Schoening

Die Demonstration für echte und transparente Bürgerbeteiligung, an der Heinrichstraße 42 in Bochum Gerthe. Bitte teilen!

Bitte denkt an die geltenen Hygienemaßnahmen, wie Abstand halten und Alltagsmaske tragen.

 

 

Link zur Bürgerbeteiligung Gerthe West

Hier findet ihr den Link zur Bürgerbeteiligung im Projekt Gerthe West.

Online kann man sich vom 14.12.2020 bis 10.01.2021 informieren, Fragen stellen und Ideen einreichen.

Analog erhaltet ihr Informationen in der Bezirksverwaltungsstelle Bochum Nord, Heinrichstraße 42, in Form einer Austellung von Montag, 14.12. bis zum Freitag, 18.12.2020. Öffnungszeiten sind Mo-Mi 14-17 Uhr, Do-Fr 10-13 Uhr.

Unter folgenden Hygieneschutzmaßnahmen ist der Zutritt möglich:

– max. 2 Personen gleichzeitig

-Einlass nur mit Mund-Nasen-Bedeckung

-Angabe von Kontaktdaten zur Rückverfolgbarkeit (abgegebene Hinweise und Ideen bleiben anonym).

 

Unter Beteiligung Rahmenplanung findet ihr den dazugehörigen Info-Flyer.

 

Anfrage der Linken an den Stadtrat zu Gerthe West

Die Stadt weicht von ihrem Konzept nicht ab. Es wird keine Diskussion und keine Transparenz in der nächsten Beteilungsphase für uns Bürger*innen geben. Die Linke stellt hierzu eine Anfrage im Rat. Wir werden weiter protestieren und berichten.

-S. Schoening

Hier könnt ihr die Anfrage der Linken lesen:

2020-12-02_Ersatzkonzept für das Beteiligungsverfahren Gerthe West – Die Linke

Neues Video online – Kommentar zur Absage der Planungswerkstatt

 

Hier findet ihr das neueste Video bei youtube.

Offener Brief an das Begleit- und Empfehlungsgremium

Sehr geehrter Herr Prof. Wachten,

sehr geehrte Mitglieder des Begleit- und Empfehlungsgremiums,

das Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung und die drei Bürgerinitiativen aus Gerthe wurden Ende Januar 2020 dem entsprechenden Ratsbeschluss folgend zu einem ‚Schlüsselpersonengespräch‘ eingeladen, um die Rahmenbedingungen und das sinnvolle Vorgehen bei der Bürgerbeteiligung zu beraten.

Dieser engagierte Austausch wurde von allen Beteiligten, also dem Netzwerk, den Bürgerinitiativen, plan-lokal, der Verwaltung und NRW.Urban als produktiv und vertrauensvoll geschätzt und deshalb über das vom Rat beschlossene ‚Schlüsselpersonen‘-Gespräch hinaus das gesamte Jahr fortgesetzt. Zuletzt wurde am 21.10.2020 in dieser Runde ein coronafestes Konzept für die erste Planungswerkstatt in der Jahrhunderthalle erarbeitet (siehe PDF Anhang zu dieser Mail).

Umso irritierender stellt sich für das Netzwerk die Strategie dar, die von der Verwaltung jetzt eingeschlagen wurde/wird. Die Verwaltung übernimmt offenbar das Verfahren und kommuniziert statt plan-lokal das weitere Prozedere und zwar unter Ausübung eines befremdlich massiven Zeitdrucks. Dieses Vorgehen ist für uns vom Netzwerk und die teilnehmenden Initiativen aus Gerthe inakzeptabel.

Wir vom Netzwerk  haben mit Schreiben vom 20.11.2020 das Planungsamt Bochum, NRW.Urban und plan-lokal anlässlich des vom Begleit- und Empfehlungsgremium empfohlenen weiteren Vorgehens im Beteiligungsprozess zum Rahmenplanverfahren „Gerthe-West“ u.a. aufgefordert,

– den Beschluss des Begleitgremiums bis zum 27.11.2020 zurückzuziehen und den

eigentlich zuständigen „Vorbereitungskreis“ über die pandemiekonforme Verfahrensweise

beraten und empfehlen zu lassen,

– bis zum 27.11.2020 dem Begleitgremium eine Richtigstellung bezüglich der

Urheberschaft von Modell E sowie eine Ehrenerklärung für das Netzwerk zukommen zu

lassen und uns darüber einen Nachweis zu erbringen.

Mit Bedauern mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass sich die Angeschriebenen zu den Forderungen innerhalb der Frist nicht geäußert haben.

Erhalten haben wir am 25.11.2020 vom Planungsamt lediglich die Bestätigung des Eingangs unseres Schreibens und die Ankündigung, wir würden so schnell wie möglich eine Antwort erhalten. Wie das Vorgehen des Planungsamts in den letzten zwei Wochen zeigt, wird die Angelegenheit von dort als besonders eilig eingeordnet. Wir wollen deshalb auch keine Zeit verlieren und werden nicht abwarten, ob uns noch eine verspätete Antwort erreicht.

Das Begleitgremium ist durch den Beschluss des Rats vom 30.01.2020 installiert worden.

Knapp ein Jahr später wurde es von der Verwaltung nun auch für die Planung der ersten Planungswerkstatt für zuständig erklärt. Wir wenden uns nun mit diesem Schreiben direkt an Sie als die Mitglieder dieses Gremiums.

Wir wissen nicht, inwieweit Sie über die Arbeit des bisher mit der Erstellung der Beteiligungsschritte befassten „Vorbereitungskreises“ informiert waren oder mittlerweile vielleicht informiert worden sind. Wir überreichen deshalb zu Ihrer ersten Information im Anhang unser Schreiben vom 20.11.2020 an die Stadtverwaltung, NRW.URBAN und plan-lokal.

Uns ist in dieser Angelegenheit an höchstmöglicher Transparenz gelegen.

Wir möchten Sie, Herr Prof. Wachten, bitten sicherzustellen, dass dieses Schreiben mit Anhängen alle Mitglieder des Empfehlungsbeirats erreicht.

Darüber hinaus möchten wir mit dem Begleitgremium in einen engeren Austausch treten. Da wir uns in den Beteiligungsprozess und dessen weitere Vorbereitung auch künftig produktiv einbringen möchten, halten wir einen direkten Austausch auch mit Ihnen für dringend erforderlich.

Ein direkter Austausch erscheint uns auch deshalb angezeigt, weil Ihnen in der Sitzung des Begleitgremiums ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat aus einer Netzwerk-Mail fälschlicherweise als Vorschlag für das weitere Vorgehen zitiert worden ist, nämlich: „Verschiebung der ersten Planungswerkstatt und aller weiteren Beteiligungsbausteine um X Monate, Planungsteams pausieren“, womit das Netzwerk als vollständiger Blockierer des weiteren Prozesses  erscheinen muss.

Wir wollen das Rahmenplanverfahren nicht blockieren. Wir wollen an der Erarbeitung eines konstruktiven Beteiligungsverfahrens mitwirken, das in Gerthe – und darüber hinaus – als solches anerkannt werden kann. Und da waren wir mit der Auftaktveranstaltung im RuhrCongress ja eigentlich schon auf einem guten Weg.

Der jetzt vorliegende Vorschlag der Verwaltung beinhaltet aber keinerlei interaktiven Austausch, statt Beteiligung gibt es Bürgerinformation mit der Möglichkeit, in Mails zu kommentieren oder Zettel auf Stellwände zu kleben.

Der Verwaltung ist aufgrund der Kommentare des Netzwerks zu anderen Bauvorhaben, die der interessierten Bürgerschaft in genau dieser Weise präsentiert wurden, klar, dass dieses Vorgehen als inakzeptabel zurückgewiesen werden wird.

Worauf soll jetzt noch der bisher geschätzte vertrauensvolle Dialog basieren?

Das Netzwerk sieht durch dieses Vorgehen massiv Vertrauen zerstört und fordert die Stadtverwaltung und NRW.URBAN auf, zu den Kommunikations- und Beteiligungsgrundsätzen zurückzukehren, die in diesem Verfahren für alle Beteiligten bisher gegolten haben.

Zu dem jetzt vorliegenden Vorschlag werden wir gemeinsam mit den Gerther Initiativen innerhalb der uns von der Verwaltung gesetzten Frist noch Stellung nehmen und zur Förderung der Transparenz des gesamten Verfahrens diese auch Ihnen zukommen lassen.

Wir möchten Sie, die Mitglieder des Begleitgremiums, gerne einladen, mit uns kurzfristig in Kontakt zu treten. Über Ihre Kontaktaufnahme freuen wir uns – Sie erreichen uns per Mail über info@stadtentwicklung.net .

Weil der Beteiligungsprozess im Rahmenplanverfahren „Gerthe-West“ nicht nur von uns als Pilotverfahren gesehen wird, werden wir uns auch an die Fraktionen und Parteien im Rat der Stadt Bochum wenden und außerdem die Öffentlichkeit über die Medien von den Vorgängen informieren.

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Czapracki-Mohnhaupt

Andrea Wirtz

Netzwerk für bürgernahe Stadtentwicklung

Wolfgang Czapracki-Mohnhaupt

Mobil: 0170 85 724 01 / FON: 0234 38 32 95

E-Mail: info@stadtentwicklung.net
https://stadtentwicklung.net/    

 

 

Leserbriefe

Alle veröffentlicht in der WAZ vom 26.11.2020

Bitte umdenken

Neuer Aldi in Werne öffnet später (24.11.). Ständig wird die großzügige Versiegelung und der Verbrauch von Fläche in Bochum von aufmerksamen Bürgern kritisiert. Wie kann es da sein, dass es für die Genehmigung von Discountern und Supermärkten immer noch nicht die verbindliche Auflage gibt, die beanspruchte Fläche (hier allein 1200 Quadratmeter nur für die Verkaufsfläche – Parkraum und Zuwege sind noch nicht mitgerechnet!) durch die gleichzeitige Planung darüberliegender Wohngeschosse multifunktional zu nutzen? Wann setzt sich in Politik und Verwaltung endlich die Einsicht durch, dass „unser Boden“ ein Schutzgut ist, mit dem wir alle sparsam und verantwortlich umgehen müssen.

Ulrike Boehner

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Nicht verstanden?

Baut Bochum mehr Wohnungen als nötig? (24.11.2020). Hat die Stadt die Zeichen der Zeit nicht verstanden? Alle Studien der letzten Jahre bescheinigen Bochum eine sinkende Einwohnerzahl, ebenso belegen die Studien, dass Bochum zu viele Neubauwohnungen erstellt. Trotzdem wird am Handlungskonzept Wohnen festgehalten, in dem angeblich 8000 Neubauwohnungen in den nächsten zehn Jahren notwendig sind. Die dazugehörige Empirica-Studie, von unserem Oberbürgermeister in Auftrag gegeben, spricht zwar von 800 neuen Wohnungen, davon aber 600 im Bestand (Altbausanierung) und nur von 200 Neubauten. Aber alle Studien werden nicht zur Kenntnis genommen, sondern wir bauen nach Gefühl, wie der neue Fraktionsvorsitzende der SPD im Rat verlauten lässt. Und an die Grünen im Rat: Es gehören nicht erst die Bauvorhaben ab 2022 auf den Prüfstand, sondern ab sofort. Weltere Versiegelung unserer Grünflächen können wir uns nicht mehr leisten.
Dr. Gerhard Henke

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Wider aller Vernunft

Baut Bochum mehr Wohnungen als nötig? (24.11.) Die Grünen haben es erkannt. Bochum baut und baut und baut – wider aller Vernunft und über den Bedarf hinaus. Und bitte: Arbeitsplätze auf dem Gelände Mark 51/7 gab es schon früher. Bei Opel waren es in der Spitze bis zu 20.000 Beschäftigte mit ihren Familien. Die haben auch schon irgendwo gewohnt. Ich kann nur hoffen, dass grüne Politik wirkt und wir unsere wertvollen Grünflächen vor dem Bauwahn der Stadt schützen können. Und noch ein Wort an die SPD: Sich bei Wohnraumentwicklung und Flächenversiegelung von Gefühlen leiten zu lassen, finde ich grob fahrlässig. Hier geht es um die Lebensqualität der Menschen vor Ort. Gerade die aktuelle Pandemie zeigt uns die Bedeutung wohnortnaher Grün- und Erholungsflächen.

Sabine Schoening

Große Einschränkungen für die Bürgerbeteiligung zur ersten Planungswerkstatt – „Beteiligung“ ab dem 14.12.

Große Einschränkungen für die Bürgerbeteiligung zur ersten Planungswerkstatt

Auch unter Coronabedingungen war eine Bürgerbeteiligung mit ca. 100 Personen als Präsenzveranstaltung in der Jahrhunderthalle geplant. Zielsetzung war ein intensiver und persönlicher Austausch zwischen den Planungsteams und den Vorstellungen der Bürgerinnen und Bürger.

Diese Präsenzveranstaltung ist ohne Rücksprache mit den Bürgerinitiativen abgesagt worden.
Stattdessen gibt es lediglich eine Online–Präsentation und eine Ausstellung im Amtshaus Gerthe. Rückmeldungen sind für Euch nur per E-Mail oder als Klebezettel in der Ausstellung möglich.

Für uns ist diese Form der Beteiligung inakzeptabel. Auch der Rat der Stadt Bochum tagt schließlich mit fast 100 Personen im RuhrCongress Bochum!

Unsere Mindestforderung ist ein digitales Diskussionsformat, bei dem man sich direkt mit den Planungsteams, den Gutachtern und anderen Bürgern austauschen kann.

Die „Beteiligungsphase“ soll zwischen dem 14.12. – 03.01. erfolgen. Bei dieser Terminsetzung zwischen Weihnachtsvorbereitung und Silvester ist davon auszugehen, dass eine breite Bürgerbeteiligung nicht gewünscht ist.

Aktuell wird ein massiver Druck im Verfahren aufgebaut. Wir haben den Eindruck, dass die Verwaltung und NRW Urban alle bisherigen konsensorientierten Absprachen mit den Bürgerinitiativen aufgekündigt haben.

Wir kämpfen weiter für eine echte transparente Bürgerbeteiligung und halten Euch auf dem Laufenden.

S. Schoening und Dr. G. Henke

 

Offener Brief an an die Ratsfraktionen der SPD und Bündnis90 – Die Grünen in Bochum

Offener Brief an die Ratsfraktionen der SPD und Bündnis90 – Die Grünen in Bochum vom 12.11.2020

 Herzlichen Glückwunsch Ihren beiden Fraktionen, dass Sie als Gewinner aus der diesjährigen Kommunalwahl hervorgegangen sind, wenn sich auch die Gewichtung innerhalb der Koalition deutlich verschoben hat. Als Bürgerinitiative „Gerthe West – So nicht!“ möchten wir gerne den Koalitionsvertrag hinsichtlich der Themen „Strukturentwicklung und Planung“, „Klima, Umwelt und Natur“, „Wohnen und Quartiere“ sowie „Bürgerbeteiligung“ kommentieren.

Strukturentwicklung und Planung

„Aber auch die Stadtteilzentren müssen weiterhin gestärkt werden.“

Bereits in den Jahren 2016/2017 wurde in einem aufwändigen Bürgerbeteiligungsverfahren ein Handlungsleitfaden für das Zentrum von Gerthe entwickelt. Leider wurde bislang kaum eine Idee des Leitfadens verwirklicht. Nun wird den Bürgerinnen und Bürgern wieder versprochen, dass das Zentrum von Gerthe im Rahmen des Neubaugebiets Gerthe West gestärkt wird (siehe HP der Stadt Bochum zu Gerthe West). Gleichzeitig wurde in der Auftaktwerkstatt zu Gerthe West bestätigt, dass keinerlei finanzielle Mittel für das Gerther Zentrum bereitstehen. Es ist zu befürchten, dass mit der Planung zu Gerthe West ein sogenannter Donut-Effekt entsteht. Dies bedeutet, dass durch die Entstehung von Neubauten im Umfeld des Zentrums, dieses noch stärker verödet.

„Grund und Boden sind nicht beliebig vermehrbar. Die Koalition hat das Bestreben nach einer nachhaltigen Bodenpolitik und einem schonenden Umgang mit Flächen für alle Generationen, alle Lebensanlässe und alle Wohnbedürfnisse. Regelinstrument dafür ist die Vorrangprüfung für Erbbaurechte.“

Neben diversen anderen Studien bescheinigen die aktuellen Veröffentlichungen des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW und Wüstpartner, dass die Stadt Bochum mit ihrer Neubautätigkeit ca. 120% des Solls erfüllt. Dies bedeutet, dass unnötig Grün- und Freiflächen mit Baumbeständen und Ackerböden versiegelt und damit unwiederbringlich vernichtet werden. So sieht ein schonender generationenübergreifender Umgang mit der wertvollen Ressource Boden sicher nicht aus. Bochum liegt bereits heute an neunter Stelle der meist versiegelten Städte bundesweit.

„Bäume, die wegen eines Bauprojekts nicht erhalten werden können, sind erst in der letzten Fällperiode vor dem tatsächlichen Baubeginn zu fällen. Es soll geprüft werden, ob eine frühzeitige Fällung von Bäumen sanktioniert werden kann.“

Eine nachhaltige Bodenpolitik fördert die Umsetzung von Neubautätigkeiten auf bereits versiegelten Flächen und im qualitativen Wohnungsbestand. Sinnhaft erscheint, die Erstellung von Wohnraum in die Stadt- und Stadtteilzentren zu verlagern. So wird die Fällung von Bäumen durch Bautätigkeiten erfolgreich verhindert.

Klima, Umwelt und Natur

„Das vereinbarte 1,5-Grad-Ziel der Vereinten Nationen und der im Rat ausgerufene Klimanotstand bilden den Handlungsrahmen für rot-grünen Klimaschutz in Bochum.“

Zum Erreichen des Klimaziels muss der Schutz des Altbaumbestandes absoluten Vorrang haben.

Auch die Erstellung von Neubauten erzeugt, im Vergleich zur Anpassung im Bestand, eine deutlich höhere „graue Energie“.

„Grünzüge, Landschaftsschutz- und Naturschutzgebiete sowie Biotopverbundflächen werden grundsätzlich von der Bebauung freigehalten.“

Der größte Teil der Planungsfläche Gerthe West wurde bereits durch den Umweltbericht im Rahmen der Planung der Westumgehung als Biotopverbundfläche beschrieben. Nach > 10 Jahren hat sich diese Fläche in ihrer ökologischen Wertigkeit deutlich positiv weiterentwickelt und darf somit nach Koalitionsvertrag nicht bebaut werden. Auch die Wertigkeit der wertvollen Lössböden im temporären Landschaftsschutzgebiet darf nicht einer Bebauungsplanung zum Opfer fallen. Es scheint, dass die Stadt Bochum den Schutzstatus für wertvolle Flächen wie Landschaftsschutzgebiete willkürlich nach den eigenen Plänen für Bebauung definiert, denn im direkten Anschluss an das temporäre Landschaftsschutzgebiet liegt ein gleichwertiges Gelände mit unbefristetem Landschaftsschutz.

„SPD und Grüne verständigen sich auf eine neue Baumschutzsatzung mit dem Ziel, die Anzahl der zu fällenden Bäume zu verringern und einen höheren Werteausgleich für alle zu fällenden Bäume festzulegen.“

Wirft man einen Blick in das Wohnbauflächenprogramm der Stadt Bochum zeigt sich, dass sich die zu bebauenden Flächen zum größten Teil auf Grünflächen, viele mit Baumbestand, und Freiflächen befinden. Dies ist mit dem Koalitionsvertrag nicht vereinbar.

„In den kommenden Jahren wollen wir eine großzügige neue Waldfläche in Bochum anlegen.“

Da Bochum nur einen vergleichsweise geringen Waldbestand aufweist, ist es eine schöne und begrüßenswerte Idee, eine neue Waldfläche anzulegen. Diese kann allerdings nicht den Verlust von Altbaumbeständen in den jeweiligen Quartieren kompensieren. Ein heute gepflanzter Baum in einem neuen Wald braucht 30 Jahre, um die Funktion eines gerodeten Altbaums zu übernehmen. Bochum benötigt neuen Wald und den Erhalt der Bestandsbäume.

Wohnen und Quartiere

„Neue Wohnungsbauvorhaben sind in erster Linie auf bereits vorgenutzten Flächen umzusetzen.“   

Wir begrüßen diese Forderung und regen an, die Erstellung und Sanierung von Wohnraum im Bestand zu fördern und somit dem bestehenden und drohenden Leerstand im Gerther Zentrum entgegenzuwirken.

„Eine Neuinanspruchnahme von unversiegelten Flächen ist auf ein Minimum zu beschränken, um so auch den Schutz von gewachsenen wertvollen Böden Rechnung zu tragen.“

Die Schaffung und Sanierung von Wohnraum im Bestand verhindert die Versiegelung und den Flächenfraß.

„Die Evaluation des Handlungskonzepts Wohnen ist schnellstmöglich anzugehen, so dass Ergebnisse spätestens 2022 vorliegen und eine Neuformulierung des gesamtstädtischen Ausbauziels unter Berücksichtigung aktueller Studien zur Bevölkerungsentwicklung und zum Wohnungsbau vorgenommen werden kann.“

Die Koalition hat wohl erkannt, dass das Handlungskonzept Wohnen mit dem Wohnbauflächenprogramm dringend einer Überprüfung bedarf. Es ist nicht akzeptabel, dass bis zum Ergebnis der Evaluation weiterhin Flächen im großen Ausmaß überplant und versiegelt werden. Die Überprüfung des Handlungskonzeptes muss sofort erfolgen, auch bestehende Planungen miteinschließen und bis zu einem Ergebnis der Überprüfung sollten bestehende Planungen ausgesetzt werden.

Bürgerbeteiligung

„Eine Beteiligungskultur funktioniert dann, wenn sich möglichst viele Menschen mit ihren Erfahrungen, Kenntnissen und Fähigkeiten einbringen. Wir bauen deshalb die Bürgerbeteiligung aus und suchen den Meinungsaustausch mit allen Bürgerinnen und Bürgern. Wir wollen dabei viele Menschen erreichen, um ein möglichst repräsentatives Meinungsbild aus Pro und Contra zu erfahren, das unsere Entscheidungsgrundlagen stärkt.“

Auch wir begrüßen eine Beteiligung der Bürgerschaft in den Stadtteilen bei Planungen, die das Lebensumfeld im Quartier berühren. Eine ernstgemeinte Bürgerbeteiligung setzt allerdings zu einem frühen Zeitpunkt ein und lässt auch Fragestellungen zum „ob“ eines Vorhabens zu.

Der vorliegende Koalitionsvertrag kann nur zu der Entscheidung führen, die Planungen zu Gerthe-West zurückzustellen, bis die Evaluationsergebnisse zum Handlungskonzept Wohnen vorliegen.

Was dieser Vertrag vermissen lässt ist eine Berücksichtigung der gesellschaftlichen Veränderungen hinsichtlich Wohnen, Arbeiten und Einkaufen. Die aktuelle Pandemie beschleunigt diese Prozesse enorm und wird unsere Stadt massiv verändern. Der Wegfall von Handels-, Büro- und Hotelflächen wird zu einem empfindlichen Leerstand und zur Verödung der Innenstadt führen. Hier ist im Sinne —von moderner Stadtplanung kreative und flexible Planung gefragt, um die Potenziale dieser Veränderung zu nutzen. Statt weiterer Einkaufszentren und Bürokomplexen benötigt unsere Innenstadt Wohnflächen, Spielplätze und Ruhezonen mit attraktiver Aufenthaltsqualität. Hier macht die Schaffung von neuem Wohnraum Sinn!

Wir wünschen der Koalition eine glückliche Hand und viel Erfolg bei der Umsetzung, sodass den Worten auch die Taten folgen.

Glück auf!

Bürgerinitiative Gerthe West – So nicht!

Sabine Schoening                                                           Dr. Gerhard Henke

Aktuelle Leserbriefe

Unverständlich
Neuer Wald für die Stadt geplant
Warum alte Bäume abholzen, um Fläche zu versiegeln. Laut Biologe Richard Köhler dauert es 40 Jahre, bis Bäume das erwünschte Klima liefern. Ich frage die Verantwortlichen, warum pflegt die Stadt nicht den alten Bestand
mit über 300 Bäumen Mischwald. Die Politiker im Norden von Bochum wollen ihn sogar abholzen und ca. 800 Wohneinheiten darauf bauen. Diese Bäume in Gerthe/Hiltrop liefern das Klima und können leicht mit den vorhandenen Grünflächen verknüpft werden. Diese Flächen sind größtenteils im Besitz der Stadt Bochum. Ich als Bürger verstehe es nicht.

-Heidi Lewitz

Auch von der WAZ am 10.11. als Leserbrief veröffentlicht.

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Ausgleich?
Ich hege den Verdacht, dass jedes gepflanzte Bäumchen in dem neuen Wald als Ausgleich für einen im Stadtgebiet im Rahmen von Baumaßnahmen abgeholzten Baum dienen soll. Damit wird die Erteilung von Fällgenehmigungen und die Suche nach Ausgleichsflächen erheblich erleichtert und ein Ausweichen, z.B. nach Herne, wäre nicht mehr notwendig.
-Rainer Köllermann

Auch von der WAZ am 10.11. als Leserbrief veröffentlicht.